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Interview with Cao Pengcheng / German transcript

 

 

Was erwarten Sie sich von dieser Reise?

 

Wir möchten Peking noch bekannter machen. Der neue, visumfreie 72-Stunden-Aufenthalt für Transitgäste ist dafür ein guter Anlass. Wir werden Touristen künftig einen besseren Service und einen leichteren Zugang zu Peking bieten können. In vielen anderen bekannten Städten gibt es ebenfalls 72-Stunden-Regelungen. Von deren Erfahrungen können wir profitieren. Die neue Regelung soll vor allem dem gehobenen Tourismus dienen. Wir möchten, dass Touristen während ihres Aufenthalts punktuell die besten Plätze aufsuchen.

 

In welche Richtung soll sich der Tourismus in Peking entwickeln?

 

Der Tourismus in Peking hat sich in den letzten Jahren sehr schnell entwickelt und ist zu einem wichtigen Wirtschaftszweig der Stadt geworden. Er bringt derzeit 230 Millionen Nächtigungen pro Jahr und einen Umsatz von 360 Mrd. Yuen. Andererseits wissen wir auch, dass wir eine sehr allgemeine Besucherstruktur haben. Wir möchten künftig vermehrt wohlhabende Touristen anziehen.

 

Das klingt so, als ob Sie künftig mehr Augenmerk auf Individualtouristen legen möchten.

 

Das haben Sie richtig verstanden. Darüber hinaus möchten wir aber auch den Kongress- und Messetourismus erweitern. Wir sehen zudem ein großes Potential im Gesundheitstourismus.

 

Gesundheitstourismus in Peking?

 

Wir haben in Peking die besten Ärzte im Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin. Wir vom Tourismusamt haben uns mit dem Gesundheitsamt zusammengesetzt und die bestehenden Institutionen und Ärzte evaluiert. Die besten daraus sollen künftig gezielt von Touristen gebucht werden können.

 

Wie wird die Kommunikation mit den Ärzten funktionieren?

 

Reiseagenturen werden den gesamten Service übernehmen, von der Abholung am Flughafen bis hin zu einer angemessenen Betreuung inklusive Dolmetscher. Das soll übrigens nicht nur den TCM-Bereich betreffen, sondern ein genereller Service im gehobenen Tourismus werden.

 

Die Sprachbarriere ist selbst in den 5-Sterne-Hotels ein großes Hindernis. Aufgrund der großen Nachfrage fehlt es häufig an qualifiziertem Personal. Gibt es Initiativen, dem entgegenzuwirken?

 

Wer im Tourismus arbeiten möchte, muss bereits jetzt Fremdsprachenkenntnisse nachweisen können. Wir müssen aber zugeben, dass gerade in der fachlichen Betreuung – Stichwort TCM – Nachholbedarf besteht. Die Stadt Peking arbeitet daher derzeit an einer Fachhochschule für Tourismus, die hoffentlich im Laufe dieses Jahres eröffnen wird. Außerdem existiert in Peking bereits ein Institut für Fremdsprachen, in dem wir künftig den Schwerpunkt auf den Tourismus setzen wollen.

 

Offiziell gibt es in Peking derzeit 64 Hotels in der 5-Sterne-Kategorie. Ist damit das obere Ende erreicht?

 

Diese Anzahl der Hotels reicht im Moment aus. Trotzdem befinden sich derzeit rund achtzig weitere Hotels im Bau, viele davon im hohen Preissegment. Wir versuchen die Hoteliers zu ermutigen, Themenhotels zu bauen um eine größere Vielfalt zu schaffen. Diese Themen könnten beispielsweise TCM beinhalten oder spezielle architektonische Stilrichtungen. Es wäre schön, wenn die Betreiber ihre Hotels mit der chinesischen Tradition und Kultur verbinden würden. Wir sehen eine große Gefahr im Bau von zu vielen Hotels. Das führt zu einer hohen Preiskonkurrenz und schadet allen. Die Nächtigungspreise sind bereits heute niedriger als in vergleichbaren Städten. Aber wir können nur Empfehlungen aussprechen. Häufig hat der Bau von neuen, teuren Hotels psychologische Gründe. Mancher Hotelbetreiber möchte sich damit ein Denkmal setzen.

 

Für den Tourismus wäre es schön, wenn gar keine Visa nötig wären. Was meinen Sie dazu?

 

Chinesische Staatbürger erhalten von den europäischen Staaten schwerer ein Visum als umgekehrt. Aber man sollte immer zuerst vor der eigenen Türe kehren. China ermöglicht den europäischen Besuchern das Visum vergleichsweise unkompliziert und unbürokratisch. Für Chinesen, die nach Europa reisen möchten, ist der Visumantrag in den europäischen Botschaften hingegen mit einem viel größeren Aufwand verbunden.

 

Ich nehme an, Sie würden sich wünschen, dass sich das ändert.

 

Ja. Ich denke, die Tourismuswirtschaft bringt allen Seiten Vorteile.

 

Wie gestaltet sich die Visumsituation in den USA?

 

Die ist in den vergangenen Jahren etwas lockerer geworden. Trotzdem ist es für Chinesen sogar noch schwieriger, ein Visum für die USA zu bekommen als für ein Land in der Europäischen Union. Die EU hat natürlich den Vorteil, dass das Visum eines Landes auch für die anderen Mitgliedstaaten gilt.

 

Was darf ich auf keinen Fall verpassen, wenn ich das nächste Mal für 72 Stunden in Peking bin?

 

Die Restaurants, die sich auf die kaiserliche Küche spezialisiert haben, sollte man auf jeden Fall probiert haben.

 

Wien, am 22.04.2013

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